Lohnt sich der Umstieg auf ein Elektroauto?

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Was sollten Sie wissen, bevor Sie den Sprung zum Elektroauto wagen?

 

Elektroautos haben eine kürzere Reichweite

 

Fangen wir mit dem offensichtlichsten und wichtigsten Punkt an: Elektrofahrzeuge (EVs) können immer noch nicht so weit wie benzinbetriebene Autos fahren… aber sie tasten sich langsam heran. Auch dank Tesla sind in den letzten Jahren deutliche Sprünge in der Batterietechnologie gelungen. Trotz so viel Fortschritt kämpfen sie jedoch noch immer mit der Reichweite, um die Erwartungen des durchschnittlichen Fahrers zu erfüllen.

Um einige Zahlen (vom Hersteller selbst gezogen) abzuklopfen, beginnen wir mit den drei populärsten Modellen, die heute die Runde machen: die Tesla Model S Limousine, der Nissan Leaf und der Chevy Spark. Nach Angaben der Hersteller sind diese Autos so konzipiert, dass eine maximale jeweilige Reichweite von 360 – 400, 140 – 160 und 135 Kilometer mit einer einzigen Ladung erreicht werden kann.

Nun, das ist alles gut und schön, aber wenn man bedenkt, dass ein mit herkömmlichen Kraftstoff betriebener Mittelklassewagen fast 1000 Kilometer mit einer einzigen Tankfüllung fahren kann, ist es offensichtlich, dass Elektroautos noch einen weiten Weg zu gehen haben, bevor sie alle Distanzrekorde brechen. Schlimmer noch, diese Zahlen können je nach Fahrstil und Fahrplan variieren. Gerade Strecken mit flachen Autobahnen oder windigen Straßen auf einen Berg hinauf werden sehr unterschiedliche Einflüsse auf die Reichweiten haben und manchmal sogar die Mindestbandbreite unterschreiten, die von den Autoherstellern selbst angegeben wurde. Wie ihre benzinfressenden Kollegen verlieren auch EVs bei kaltem Wetter einen erheblichen Teil ihrer Leistungsfähigkeit. Doch während kraftstoffbetriebene Autos 12 bis 15 Prozent ihres Wirkungsgrades bei Temperaturen unter O Grad Celsius verlieren können, können batteriebetriebene EVs unter ähnlichen Bedingungen sogar 57 Prozent ihrer Reichweite verlieren. Bei kalten Temperaturen funktionieren Batterien nicht so effektiv, weil die Lithium-Ionen-Zellen die Energie nicht an den Motor und das restliche Auto weiterleiten können.

Für die ganz engagierten EV-Fahrer da draußen gibt es „Range Extender“ in Form von beweglichen Generatoren, die im Notfall eine Backup-Batterie anlassen können. Wenn sie vollständig aufgeladen sind, bieten diese Batterien etwa weitere 50 Kilometer Reichweite und geben jedem, der gestrandet ist, die Chance, es irgendwo hin zu machen, bis er einen Weg findet, um wieder aufzuladen.

Eine andere Klasse von Auto namens „Plug-in-Hybrid-Elektrofahrzeuge“ haben einen internen Generator eingebaut, um etwas Ähnliches zu erreichen. Sie zapfen immer zuerst die Batterie an, und wechseln erst auf Benzin, wenn die Batterie vollständig erschöpft ist. Dies unterscheidet sie von Standardhybriden, wie dem Original Toyota Prius. Standard-Hybride verwenden den Benzinmotor, um die elektrische Batterie bei hohen Geschwindigkeiten zu laden. Sie schalten auf elektrische Energie um, sobald das Auto verlangsamt und unter 40 km/h fährt. Plug-in-Hybride hingegen vertrauen auf die Batterie, um alles von der Türverriegelung bis hin zum Antrieb der Räder zu handhaben, solange sie noch Strom hat. Wenn (und nur wenn) die Reserve sich einem gefährlichen Ladeniveau nähert, kommt ein Verbrennungsmotor ins Spiel, um die Bordbatterie wieder aufzuladen.

Dies macht Plug-in-Hybride zu einem großartigen Mittelweg zwischen Benzin und Strom. Es ist eine Lösung, die die gefürchtete „Reichweitenangst“ lösen könnte, während sich die Technologie ständig verbessert. Viele Hersteller bieten Plug-in-Hybrid-Modelle, einschließlich Chevy, Ford, BMW, Mercedes, Honda und andere.

Fürs Erste ist es sicher zu sagen, dass, wenn Ihr Arbeitsplatz etwa 50 km von Ihrem Zuhause entfernt ist und die Reichweite Ihrer EV-Batterie ein Minimum von 120 Kilometern erlaubt, ein EV für Sie passend sein konnte. Wenn Sie in einem kälteren Teil der Welt leben und ein Fahrzeug brauchen, dass jederzeit verlässlich anspringt und hohe Reichweiten ermöglicht, könnte es vielleicht besser sein, Sie entscheiden sich für ein Plug-in Hybrid-Elektro-Fahrzeug.

 

Elektroautos brauchen länger zum Tanken.

 

Im Gegensatz zu Benzinautos, die etwa anderthalb Minuten zum Nachfüllen brauchen, bevor Sie wieder auf die Straße können, kann das Aufladen einer Batterie eines Elektroautos ein langwieriger Prozess sein. Die Zeiten reichen von 20 Minuten in einem Tesla bis zu mehr als acht Stunden in einigen älteren Evs. Wie schnell oder langsam Ihr Fahrzeug aufgeladen wird, hängt davon ab, welche der vier Ladekategorien eine Ladestation anbietet. Außerdem spielt auch die kW-Leistung des Ladegeräts im Fahrzeuginneren eine Rolle.

Beispiel: Ladegeräte der Stufe 1 werden über einen 120-V-Anschluss angeschlossen. Natürlich würde diese Methode am längsten dauern, da die Verbindung nur eine begrenzte Stromstärke übertragen kann. Bei optimalen Bedingungen auf einem 2016 Fiat 500-e (mit einem Ladegerät mit 6,6 kW Leistung) könnte eine 120-V-Steckdose pro Stunde nur etwa 20 Kilometer Reichweite aufladen. Obwohl der Fiat theoretisch 6,6 kWh laden kann, liegt die maximale Leistung einer 120-V-Steckdose bei 1,6 kWh, was bedeutet, dass er die volle Ladegeschwindigkeit des Fahrzeugs nicht ausnutzt.

Level 2 verwendet eine Steckdose mit 240 V und einer theoretischen maximalen Leistung von 19,2 kWh, obwohl die meisten Haushalte auf 7,2 kWh beschränkt sind. Dies entspricht einer Steckdose, in die Sie eine Waschmaschine oder einen Trockner in Ihrer Garage einstecken würden. Unter optimalen Bedingungen auf dem gleichen Fiat könnten Sie bei optimaler Leistung pro Stunde näher an die versprochene Ladekapazität herankommen, da der Fiat mit seinem 6,6 kW Onboard-Ladegerät die Höchstleistung gar nicht erreicht. Level 1 und 2 sind die beiden gebräuchlichsten Ladelösungen, die Sie in einem normalen Haus finden. Sie sorgen für eine einfache Ladelösung für alle, die entweder eine eigene private Garage besitzen oder zumindest ein Verlängerungskabel von der Einfahrt aus dem Haus heraus führen können.

Wenn es um Ladungen der Level 1 und 2 geht, sind einige Autos nur für 3,3kW ausgelegt, während andere für bis zu 10kW ausgelegt werden können. Dies kann sich auch auf die Ladegeschwindigkeit auswirken. Das Bordladegerät des Fahrzeugs fungiert normalerweise als Flaschenhals – egal, wie viel Leistung Ihr Level 1 oder 2 Ladegerät hat, Ihr Auto lädt nur so schnell, wie das Ladegerät für den Einsatz im Fahrzeug ausgelegt ist.

Beim Level-3-Laden (auch als „DC Fast Charging“ bekannt) verfügt die Ladestation jedoch über einen internen Hochleistungs-AC/DC-Wandler, der es ihr ermöglicht, diesen Engpass zu umgehen und gleichzeitig zwischen 40kWh und 90kWh Saft zu liefern. Mit dieser Methode können EVs, die mit einem kompatiblen CHAdeMO- oder J1772-Kombi-Ladeanschluss (wie Nissan Leaf oder BMW i3) ausgestattet sind, alle 20 Minuten eine Reichweite von 50-90 Meilen zu ihren Batterien hinzufügen. Leider sind Ladestationen mit DC Fast Charging-Steckern vorerst eher selten, obwohl jeden Monat mehr Ladestationen ans Netz gehen, da EVs immer beliebter werden.

Teslas Level 4 eigene „Kompressoren“ können bis zu 350 Meilen Reichweite in einem Auto innerhalb derselben Spanne von 20 Minuten aufladen. Aber diese Ladegeräte sind nur mit Tesla’s Model S und Model X kompatibel, und selbst die Mercedes B-Klasse (die sich einen Antriebsstrang mit Tesla teilt) ist im eigenen Kompressornetzwerk des kalifornischen Unternehmens nicht erlaubt.

Aber selbst wenn 20 Minuten schneller sind als die Stunden, die ein Auto zu Hause braucht, bleibt das Kernproblem: Es ist im Vergleich zur Routine der drei Minuten, einen normalen Tank aufzufüllen, ein zeitliches Problem. All das Warten – oder „Kaffee trinken“, wie Teslas Marketing-Abteilung es gerne ausdrückt – bedeutet, dass, wenn man spontan los will oder eine längere Reise vor sich hat, ein benzinbetriebenes Auto oder ein Plug-in-Hybrid wahrscheinlich eine bessere Wahl sein wird.

Trotzdem: wenn Sie Ihr Auto hauptsächlich zum Pendeln in dicht besiedelten Gebieten benutzen und keine Probleme haben, Ihre Besorgungen um einen längeren Ladezyklus herum zu planen, könnte ein EV mit Schnellladefunktion die Anforderungen ganz gut erfüllen.

 

Elektroautos benötigen weniger Wartung

 

Vielleicht fragen Sie sich nach dem Vorgesagten, warum jemand von einem EV in Versuchung geführt werden sollte. Aber jetzt kommen wir zu den Bereichen, in denen sich Elektrofahrzeuge bewähren. Da sie im Vergleich zum klassischen Verbrennungsmotor wesentlich weniger bewegliche Teile haben, halten EV-Motoren zwischen den vorgeschriebenen Wartungsprüfungen tausende von Stunden länger als benzinbetriebene Motoren. Das ist eine große Sache.

Sie sind jedoch nicht ganz wartungsfrei, da die Batterien in Elektroautos eine begrenzte Lebensdauer haben, bevor sie ersetzt werden müssen. Wie bei jeder Batterie können die Zellen in einem Elektroauto nur eine bestimmte Anzahl von Ladezyklen durchlaufen, bevor sie ihre maximale Kapazität verlieren. Obgleich die allgemeine Zuverlässigkeit auf dem Weg nach oben ist, sollte ein EV-Besitzer dennoch davon ausgehen, dass seine Batterie etwas an Ladekapazität verliert. Diese Zahl variiert von Auto zu Auto, also überprüfen Sie die Herstellerangaben, bevor Sie Ihren ersten EV-Kauf tätigen.

Das Ersetzen der Batterie kann ein teures Unterfangen sein, wenn die Anschaffung nicht mehr im Garantiezeitraum liegt (ein Ersatzpack kann schon mal 10.000 Euro kosten). Deshalb sollte dieser Posten immer berücksichtigt werden, wenn Sie die Anschaffung eines Elektroautos auf lange Sicht planen. Allerdings sind sowohl High-End- als auch Midrange-EV-Hersteller in dieser Hinsicht einen Schritt voraus, und die meisten Hersteller bieten eine Art Garantie, die bis zu zehn Jahren nach dem Kauf gegen leere Batterien schützt. Wenn Sie Ihr EV von einem seriösen Anbieter kaufen, sollten Sie es jederzeit, wenn Ihr Auto Sie darauf hinweist, dass die Batterie möglicherweise abgenutzt ist, zu ihm bringen können und in wenigen Stunden einen Ersatz – ohne zusätzliche Kosten – erhalten.

 

Elektroautos können langfristig Geld sparen

 

Schließlich haben Elektroautos das Potenzial, Ihnen Geld zu sparen, je nachdem, wo Sie wohnen und wie Sie fahren. Allerdings ist es schwierig, eine pauschale Antwort darauf zu geben, ob Sie bei den Gesamtbetriebskosten Geld sparen können. Wenn Sie in einem Gebiet mit billigem Benzin und teurer Elektrizität leben, stellt sich Ihre Kosten-/Nutzenrechnung naturgemäß anders auf als für jemand mit den entgegengesetzten Voraussetzungen.

Im Allgemeinen gilt: wenn Sie nicht übermäßig viel Fahren und Ihr Auto zum Pendeln und für lokale Botengänge verwenden, werden Sie auch bei den höchsten Stromtarifen mit einem Elektroauto insgesamt preiswerter fahren als mit einem Benziner. Nicht nur das, aber inzwischen haben viele europäische Städte auch damit begonnen, öffentliche Ladestationen einzurichten, wo EV-Besitzer ihre Autos einfach parken und für wenig bis gar keine Kosten tanken können. Oft wird die Stadt eine kleine Parkgebühr für die Zeit erheben, die zum Nachfüllen benötigt wird. Aber es wird immer noch viel weniger kosten als das, was Sie zahlen würden, um über eine Steckdose zu Hause aufzuladen.

Wie immer gibt es Tools, die Ihnen helfen können, zu berechnen, wie viel Sie mit Elektroautos sparen könnten. Geben Sie ein, wo Sie leben, wie viel Sie Ihr Auto pro Woche benutzen und welche Art von Laufleistung Sie jedes Jahr auf die Straße bringen und der Rechner wird Ihnen helfen zu kalkulieren, wie sich ein Elektroauto auf lange Sicht auf Ihre Brieftasche auswirken wird.

Wenn Sie sich den Kaufpreis an einem Auto ansehen, beachten Sie, dass ein höherer Preis nicht automatisch eine höhere Reichweite oder ein schnelleres Laden bedingt. Ein hoher Preis kann mehr Pferdestärken bedeuten. Aber wenn man den gleichen Stecker aus einem Level-3 Fast Charge System verwendet, benötigen zum Beispiel sowohl der Chevy Spark EV (ca. 20.000 Euro) und der BMW i3 (ca. 40.000 Euro) eine identische Zeitmenge, um eine volle Batterie zu erreichen (ungefähr 40 Minuten an einem gemäßigten Tag). Also, stöbern Sie durch die Gegend und vergleichen Sie so viele Funktionen wie möglich, wenn Sie auf dem Markt für ein EV sind.

Schließlich sollten Sie sich auch eine Minute nehmen, um die potenziellen Steuervorteile, die der Kauf eines Elektrofahrzeuges anbieten kann, in die Rechnung mit einfließen zu lassen. Letztendlich können nur Sie selbst entscheiden, ob ein Elektroauto für Ihre Fahrgewohnheiten funktioniert. Überlegen Sie sich genau, was Sie von einem Elektroauto erwarten und fragen Sie sich, ob Sie notfalls auf ein benzinbetriebenes Aushilfsfahrzeug Zugriff haben.

Jetzt, mit zunehmender Konkurrenz von Etatmarken wie Kia und Hyundai, die den Markt mit Elektroautos bereichern, sind sie für jedes Einkommensniveau – besonders unter Berücksichtigung der Steuervergünstigungen – erhältlich. Und wenn Sie immer noch nicht sicher sind ob Sie bereit sind, den vollständigen Sprung in ein rein elektrisches Leben zu wagen, gibt es Dutzende von Plug-in-Hybridmodellen, die das Beste aus einer Kombination von Benzin und Elektro bieten. Diese Elektroautos lassen Sie nicht am Seitenstreifen versauern, während Sie versuchen, einige Solarpaneele zu entfalten, nachdem die Batterie ihr letztes Lebenszeichen abgegeben hat.

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