Was tun wenn der Abfluss stinkt?

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Gase + Gären + Fäulnis = Abflussgestank
Dass der Inhalt des Abflusses nicht angenehm, sondern übel riecht oder auch stinkt, ist ein ganz natürlicher Vorgang und sollte auch als solcher gesehen werden. Der Abfluss, in dem Sinne das gesamte Abwassersystem, ist das genaue Gegenteil zum Zufluss von Frischwasser. Hier in Deutschland wird das frische Wasser auch als Trinkwasser bezeichnet. Damit kommt zum Ausdruck, dass ungebrauchtes Wasser so frisch, rein und sauber ist, dass es bedenkenlos getrunken, also verzehrt werden kann. Wenn das gebrauchte Wasser im wahrsten Sinne des Wortes verbraucht ist, dann muss es abfließen können. In diesem Sinne wird es durch ein aufwändiges Abfluss- oder Ableitungssystem entsorgt. Jeder Haushalt, sei er noch so klein, verfügt über ein eigenes Wasserleitungssystem mit Frischwasserzufuhr und Schmutzwasserabfluss. Daran angeschlossen sind Nutzräume wie Küche, Sanitärbereich, Gäste-WC, Hauswirtschaftsraum oder Waschkeller. In der Küche fließt das Gebrauchtwasser aus dem Spülbecken sowie aus der Geschirrspülmaschine ab, im Badezimmer das Gebrauchtwasser aus dem Waschbecken, aus der Badewanne und aus der Duschtasse, und die menschlichen Hinterlassenschaften werden in der Toilettenschüssel des WC mit der notwendigen Wassermenge buchstäblich weggespült. Bei dieser Vielzahl und Vielfalt an verschiedenen Schmutz- und Gebrauchtwässern liegt es nahe, dass im Abflussrohr ein, wie man sagt höchst unappetitliches Gemisch entsteht.

Der Weg von Schmutzwasser: Becken – Geruchsverschluss – T-Stück – Anschlussleitung
Jeder Bewohner sieht und registriert nur einen Teil des gesamten Rohrleitungssystems für das Schmutzwasser. Wasserbehältnisse wie Toilettenschüssel, Waschbecken und dergleichen haben den Wasserkran als Anschlussleitung sowie eine separate Abwasserleitung. Durch die fließt das gebrauchte Wasser via den Siphon als Geruchsverschluss bis zu einem ersten T-Stück als der Rohrverbindung vom Siphon hin zur Sammelleitung für das gesamte Abwasser. Ab hier wird je nach Bauart in Fall-, Grund- und Sammelleitung unterschieden. Für den Bewohner mit seinem übel riechenden Abfluss ist der Siphon die ganz entscheidende Stelle. Er ist ein S-förmiges Rohr, dessen untere Biegung dauerhaft mit Flüssigkeit, gefüllt ist. Dabei handelt es sich bestenfalls um Frischwasser, das ungenutzt direkt vom Wasserkran in das Abflussrohr fließt. Dieses permanent stehende Wasser verhindert das Durchlassen von sogenannten Kanalgasen. Als solche werden Faulgase bezeichnet, die durch das Gären entstehen, bei dem mangels Sauerstoff unter anderem auch Bakterien zersetzt werden. Der Siphon an jeder einzelnen Abflussstelle im Haushalt verhindert das Austreten solcher Kanalgase rückwärts aus der Kanalisation zurück durch das Leitungssystem bis hin in zum Abfluss im jeweiligen Raum.

Ursprung für Abflussgestank nicht eindeutig lokalisierbar
Die Wege vom heimischen Wasserabfluss bis hin zur öffentlichen Kanalisation vor dem Gebäude sind meterlang und regelrecht verschlungen. In einem mehrgeschossigen Wohngebäude mit zahlreichen Wohnparteien ist das Leitungssystem im Haus notgedrungen mit vielen Biegungen und mit Gefälle versehen. Von allen Hauhalten fließt Schmutz- und Gebrauchtwasser hinein in das Rohrleitungssystem. Wenn sich an einer, an manchen oder an allen Stellen das mehr oder weniger gut durchfließende Schmutzwasser geruchsmäßig bemerkbar macht, dann ist es für den Laien kaum möglich, den Anlass und die Ursache dafür festzustellen. Ohne das Einführen einer Rohrkamera ist nicht zu lokalisieren, wo der Grund für den penetranten Abflussgeruch sein könnte. Dem Bewohner bleibt als einzige Möglichkeit festzustellen oder auszuklammern, ob sich der Ursprung für die unangenehme Situation in seinem anteiligen Rohrleistungssystem befindet. Das reicht vom Wasserabfluss über den Siphon als Geruchssperre bis hin zu dem anschließenden T-Stück. Ab dort beginnt in einem Rohrleitungssystem für zwei und mehr Wohnparteien die Sammelleitung.

Verursachte sowie unvermeidbare Anlässe für Rohrverschmutzung
Wie der Begriff deutlich sagt, sind Schmutz- und Gebrauchtwasser nicht sauber, sondern unrein und schmutzbehaftet. Das Abflussrohr der Toilettenspülung hat einen größeren Durchmesser als das für Waschbecken, Badewanne und Dusche. Der Toilettenabfluss verschmutzt am ehesten durch ein unsachgemäßes Entsorgen von schwer oder gar unauflöslichen Gegenständen. Beispiele dafür sind hinlänglich bekannt; schon in der Kindeserziehung wird unter Strafandrohung darauf hingewiesen, „nichts“ in der Toilette zu entsorgen. Gegen das dauerhafte Verschmutzen aller anderen Abflussrohre ist der Benutzer nahezu machtlos. Eine sich an der Rohrinnenwand zunehmend bildende Schmutzschicht besteht zum Beispiel aus Seifen- und Duschgelresten, aus Hautschuppen, Körper- und Kopfhaar, aus weggespülten Essensresten in der Geschirrspüle bis hin zu Mikroplastik in den Kosmetikartikeln. Aus dieser Gemengelage entsteht ein, wie man sagt undefinierbares Gemisch an Schmier und Ablagerung. Nicht alles davon wird bis in die öffentliche Kanalisation durchgespült. Vieles bleibt an Rohrwänden sowie in Rohrknicken und Rohrbiegungen hängen. Dort verklumpt und verhärtet es und sondert einen geradezu unerträglichen Gestank ab. Der wird normalerweise durch den Siphon als Geruchsfalle oder Geruchsbremser abgefangen. Wenn die Funktion des Siphons undicht, defekt oder aufgrund der Geruchsstärke unwirksam wird, dann hat der Bewohner ein Geruchsproblem.

Sein Abfluss stinkt!

Abflussgestank kann, muss aber keine Rohrverstopfung sein
Jetzt kommt die Nagelprobe, ob der Abfluss total verstopft ist, ob das Schmutzwasser nur stockend abfließt, oder ob es nach wie vor ungehindert durchfließt. Wer an heißen Sommertagen durch historische Altstädte läuft, der kennt nur zu gut den beißenden Gestank der öffentlichen Kanalisation. Der Durchfluss des Schmutzwassers funktioniert problemlos; es sind vielmehr die Ablagerungen am Rohrinnern und der ungehinderte Austritt der Faulgase, die den Bummel durch die Altstadt zur Tortur machen. Wenn der Abfluss im Privathaushalt nicht verstopft ist, dann kann sich der Bewohner auf verschiedene Weise selbst helfen. Anderenfalls, und das sollte kritisch geprüft werden, kommt er ohne die professionelle Hilfe des Sanitär- beziehungsweise Sanitärnotdienstes nicht aus. Eine Rohrverstopfung ist kein Spaß, und gegenüber den Nachbarn drüber, drunter und daneben auch kein „Kavaliersdelikt“. Jede Abflussverstopfung kann innerhalb von Minuten zu einem Wasserschaden und in der Folge zu einem kostspieligen Versicherungsschaden führen. Ohne private Haftpflicht- und ohne Hausratversicherung muss der Verursacher alle Schäden aus eigener Tasche bezahlen.

Geruchsbeseitigung mit herkömmlichen und chemischen Mitteln
Das Tröstliche an der insgesamt unerfreulichen Situation ist die Tatsache, das Problem weitgehend selbst lösen zu können. Dazu bieten sich die folgenden Möglichkeiten an, deren Reihenfolge keine Dringlichkeit oder Priorität darstellt. Der Betroffene sollte vielmehr selbst entscheiden, was er für richtig hält.

• In den betreffenden Ausguss werden je nach Geruchsstärke ein, zwei oder auch drei Löffel Salz hineingegeben. Für die Einwirkungszeit ist etwas Geduld gefragt. Nach einer halben, spätestens einer Stunde wird reichlich kaltes Frischwasser durch den Abfluss gespült. Die Alternative zu Salz ist eine hochkonzentrierte Salzlösung. Ist der erste Versuch nicht so erfolgreich wie gewünscht, sollte dasselbe nochmal wiederholt werden.

• Fettablagerungen im Küchenausguss sind erfahrungsgemäß schwer lösbar. Hier empfiehlt es sich, ebenfalls ein, zwei oder drei Löffel Soda in den Ausguss zu geben. Soda ist ein Salz-Mineral und ein altbekanntes Reinigungsmittel, das schon im Altertum als solches verwendet wurde. Nach einer ebenfalls halb- bis einstündigen Einwirkungszeit muss mit heißem Frischwasser nachgespült werden. Fett löst sich ausschließlich bei Hitze.

• Ein erster Blick sollte immer dem Siphon gelten. Als „Geruchsbremse“ ist er die Schnittstelle für Verschmutzungen und Faulgase von unten nach oben, also vom Abflussrohr hinauf zum Abfluss im Becken. Um den Siphon wirksam von Schmutz und Gestank zu befreien, muss er demontiert, gründlich gereinigt und wieder montiert werden.

• Backpulver + Essig ergeben ein Gemisch, mit dem sich zwar keine Abflussverstopfung, wohl aber der unangenehme Abflussgeruch wirksam beseitigen lässt. Anwendung: Vier Esslöffel Backpulver sowie eine halbe Tasse Essig werden in den Abfluss gegeben. Der Essig schäumt das Backpulver auf und reinigt gleichzeitig das Abflussrohr. Akustische Begleiterscheinungen sind ein Sprudeln, Gluckern und Blubbern aus der Abflussöffnung. Anschließend, also nach Ende der einschlägigen Geräusche, wird heißes Frischwasser in den Abfluss gekippt und so das Abflussrohr durchgespült.

• Als ein probates Hausmittel hat sich „Cola“ erwiesen. Die in dem Softgetränk enthaltene Phosphorsäure löst nicht jede, aber doch so manche Ablagerung im Abflussrohr. Nicht die Qualität ist ausschlaggebend, sondern das Getränk als solches. Ein positiver Nebeneffekt ist der angenehme Cola-Geruch.

• Chemische Mittel versprechen ein Entfernen von Ablagerungen innerhalb von Sekunden, ein sofortiges freies Abflussrohr sowie einen insgesamt frischen Geruch. Dazu wird das Präparat in den Abfluss gegeben, und nach dem in der Gebrauchsanweisung angegebenen Zeitabstand wird mit Wasser nachgespült. Abgesehen von den oftmals unverhältnismäßig hohen Kosten sind diese chemischen Mittel durch ihre aggressiven Inhaltsstoffe bewiesenermaßen umweltschädlich. Der umweltbewusste Betroffene sollte nur im äußersten Notfall darauf zurückgreifen, besser jedoch die herkömmlichen Hausmittel benutzen.

Vorbeugen und No-Go
Der Bewohner kann selbst einiges dazu beitragen, dass es erst gar nicht zu einer Geruchsbelästigung durch das Abflussrohr kommt.
• Ein No-Go ist das Entsorgen jeglicher Essensreste durch den Küchen- oder den Toilettenabfluss
• Ganze Seifenstückreste dürfen nicht im Abfluss, sondern müssen über den Hausmüll entsorgt werden
• In jeden Abfluss sollte ein engmaschiges Kunststoff- oder Metallsieb eingesetzt werden
• Der Siebeinsatz fungiert als Schmutzfänger und verringert die Bildung einer Schmutzschicht an der Innenwand des Abflussrohres

Als Fazit bleibt festzuhalten
• In vielen Fällen ist der Abflussgestank zumindest teilweise hausgemacht
• Schmutzablagerungen im Abflussrohr sind über Jahre und Jahrzehnte hinweg unvermeidbar
• Der jederzeit saubere, regelmäßig gepflegte Siphon ist eine wirksame Bremse, um sich vor austretenden Faulgasen und deren Gerüchen zu schützen

 

Wir hoffen Ihnen geholfen zu haben 🙂

 

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