Wer war Henry Ford?

Wer war Henry Ford?

Henry Ford ging als Role Model des Geschäftsmannes, Leaders und Managers in die Geschichte ein. Er revolutionierte die Produktionsweise der Automobilindustrie am Fließband, schuf einen der einflussreichsten Konzerne der Welt und steht gleichzeitig für hohe Löhne und den Achtstundentag. Der Unternehmer gilt als einer der führenden Industriellen in der Geschichte Amerikas, der nachhaltig wegweisend für die Entwicklung der Wirtschaft und der Infrastruktur war.

Er steht für den American Way of Life, für einen Typus, der kontinuierlich hart arbeitet, gegen Widerstände ankämpft, nie aufhört sich zu entwickeln und durch Zähigkeit, Verstand und Leistung letztlich erfolgreich ist. Doch nicht nur das lässt sich von Ford lernen, sondern auch, wie man es schafft, Erfolg zu halten.

Der Konstrukteur und Fabrikant hat, als er 1909 mit der Massenproduktion von Autos begann, eine ganze Stadt geprägt. Seinem Beispiel folgend, siedelten sich weitere Automobilhersteller in der Region an: Detroit mit seinen Vororten wurde zur Motor City und als Motown zur Legende. Eine gigantische Bevölkerungsexplosion verhalf der alten Industriemetropole zu neuem Glanz.

Kindheit, Ausbildung, erste Entscheidungen

Der spätere Automobil-Gigant wuchs im ländlichen Raum auf. Henry Ford wurde am 30. Juli 1863 in Dearborn, einem Vorort von Detroit, im Staat Michigan geboren. Seine Eltern waren irische Einwanderer, die aus einem unkultivierten Stück Waldland eine florierende Farm gemacht hatten. Der spätere Auto-König war das älteste von sechs Kindern.

Arbeit prägte seine Jugend. Er besuchte eine schlichte Dorfschule. Doch schon früh war der Junge an Mechanik interessiert. Werkzeuge waren seine Spielsachen. Henry träumte davon, die schwere Landarbeit durch Maschinen zu erleichtern.

Damals wurden einfache, transportable Dampfmaschinen für den Antrieb von Sägemühlen und Dreschmaschinen verwandt. Ford erinnerte sich noch später an die Faszination, die diese Geräte auf ihn ausübten. Er richtete sich eine Werkstatt ein und begann, zu experimentieren. Mit fünfzehn Jahren baute er seinen ersten Verbrennungsmotor.

Mit dreizehn Jahren erhielt der Junge von seinem Vater eine Taschenuhr geschenkt. Er baute er sie auseinander und wieder zusammen. Nachbarn und Freunde waren so beeindruckt, dass sie dem jungen Ford ihre Uhren zur Reparatur brachten.

Mit siebzehn Jahren nahm Henry eine Lehrstelle bei einem Uhrmacher und Juwelier an. Sein Ziel war die Entwicklung einer billigen, vermarktbaren Uhr. Er kam davon ab, da er keine Kundschaft für sein Produkt sah. Schon früh zeigte sich, die Haltung, die den Unternehmer später auszeichnete: Er ließ sich nicht mitreißen. Er arbeitete hart, verlor sich jedoch nicht in Idealismus. Es ging ihm um ein absetzbares Produkt. Das waren Uhren in der damaligen Zeit nicht.

Anschließend begann Henry Ford eine Ausbildung zum Maschinenschlosser bei einer Werft in Detroit. In den folgenden Jahren lernte er, Dampfmaschinen geschickt zu bedienen und zu warten und er studierte auch Buchhaltung. In dieser Zeit konstruierte er einen universellen Dampfschlepper, der leichter als die gängigen Modelle war. Der Antrieb blieb jedoch gefährlich. Der Dampfkessel konnte explodieren. Eine Alternative fand der junge Konstrukteur im Ottomotor.

Mit fünfundzwanzig Jahren, im Jahr 1888, heiratete Henry Ford nach zweijähriger Verlobungszeit die zweiundzwanzigjährige Clara Ala Bryant aus Greenfield Township. Sie war beeindruckt von seinen Talenten und unterstützte ihren Mann. Ford nannte sie ‚The Believer‘, da sie die Einzige gewesen sei, die an seine Idee eines Autos für alle geglaubt habe. 1893 wurde ihr erstes und einziges Kind, Edsel, geboren. 1938 zitierte das „New York Times Magazine“ den erfolgreichen Industriellen mit den Worten: „Der größte Tag meines Lebens war der, an dem ich Mrs. Ford heiratete.“

Bald nach der Hochzeit schuf sich der junge Konstrukteur mit einem eigenen Sägewerk eine weitere Einnahmequelle.

Ingenieur bei Edison, Gründung der ersten eigenen Firma, Rennwagen als Werbung

1890 wurde Henry Ford als Ingenieur bei der Detroit Edison Company angestellt. Sein Engagement brachte ihm 1893 eine Beförderung zum Chefingenieur ein.

Der Konstrukteur arbeitete intensiv an seinen Plänen für eine Kutsche mit Eigenantrieb, ein Automobil. 1892 baute der Ingenieur seinen ersten benzinbetriebenen Buggy, der einen Zweizylinder-vier-PS-Motor hatte. 1896 konstruierte er sein erstes Modellauto, den Ford Quadricycle. Im selben Jahr nahm er an einem Treffen mit Führungskräften von Edison teil und präsentierte Thomas Alva Edison seine Pläne für den Bau eines Autos. Edison ermutigte den begabten Konstrukteur, ein zweites, besseres Modell zu bauen. 1898 konnte der Ingenieur sein erstes Patent für einen Vergaser anmelden.

Ein Jahr später verließ der begabte Ingenieur die Edison Company und gründete seine erste eigene Automobil-Firma. Henry Ford glaubte fest an den Nutzen und die Absetzbarkeit von Autos. In Autorennen präsentierte er seine Fahrzeuge. Der Erfolg ließ auf sich warten, es gab finanzielle Schwierigkeiten, der Unternehmer hielt jedoch an seiner Idee fest. Ford wollte die technische Überlegenheit seiner Konstruktionen beweisen.

1901 siegte Henry Ford vor Alexander Winton, einem anerkannten Konstrukteur und erprobten Rennfahrer. Durch diesen Sieg gewann er neue Investoren und konnte im selben Jahr seine Firma reorganisieren.

Henry Ford arbeitete als Chefingenieur. Henry Leland wurde von den Investoren als Berater bestellt. Der erfahrene Konstrukteur sollte die Fertigung optimieren. Dabei kam es zu Auseinandersetzungen, die damit endeten, dass Ford die Firma verließ: Mit neunhundert Dollar Abfindung und den Plänen für das Modell A mit Zweizylindermotor musste der Unternehmer neu beginnen.

Neuanfang, Durchbruch mit T und das erste bewegliche Fließband der Automobilindustrie

Schon 1903 konnte Ford seine neue Firma starten. Mit einem neu entwickelten Wagen stellte er einen beeindruckenden Geschwindigkeitsrekord auf. Der Rennfahrer Barney Oldfield brach daraufhin mit dem nach der damals schnellsten Dampflokomotive „999“ benannten Wagen zu einer Werbetour quer durchs Land auf.

Ingenieur József Galamb, aus Ungarn eingewandert, konstruierte die „Tin Lizzy“, die 1908 als „Model T“ auf den Markt kam. Henry Ford stellte sie auf verschiedenen Rennen vor. Das Modell schaffte Bestzeiten und begann sich zu rentieren. Nach Disqualifizierungen zog sich der Unternehmer 1913 aus dem Rennsport zurück. Sein Ziel hatte er erreicht: Jeder kannte das Modell T.

Das Auto war so beliebt, das der Unternehmer die Fertigung optimierte und das erste bewegliche Fließband für die Massenproduktion von Autos in seinen Fabriken einführte. Das brachte eine weitere Reihe von Neuerungen mit sich:

– Die neue Fertigungstechnik brachte eine immense Zeitersparnis.
– Die Produktionskosten halbierten sich trotz eines stetig verbesserten Produkts.
– 1914 erhöhte der Unternehmer die Löhne drastisch, um Facharbeiter dauerhaft zu
binden.
– Gleichzeitig führte er den 8-Stunden-Tag ein.

Bis 1927 wurde der Wagen produziert und galt als das weltweit am meisten verkaufte Auto. Henry Ford wurde berühmt dafür, dass er Effizienz, günstige Preise, sozial verträgliche Löhne und Arbeitsbedingungen verbunden hatte.

Rouge Plant, politisches Engagement, Nachfolge und Modell A

In Europa hatte der Erste Weltkrieg begonnen. Auch Amerika war involviert. Ford unterstützte nicht nur die Kriegsproduktion, sondern wurde aufgefordert, für die Demokraten von Michigan als Senator zu kandidieren. Für den Vierundfünfzigjährigen wurde es Zeit, an die Nachfolge zu denken. Sohn Edsel wurde an der Verwaltung beteiligt und in den Vorstand aufgenommen. Das brachte Auseinandersetzungen mit sich. Henry engagierte sich politisch. Der überzeugte Pazifist hatte schon auf eigene Kosten ein Dampfschiff gechartert und war selbst nach Europa aufgebrochen, um zwischen den Krieg führenden Parteien zu vermitteln.

Gleichzeitig führte der Wunsch nach eigenen Autos zu steigender Nachfrage. Neue Anlagen der Ford-Werke entstanden am Fluss Rouge in Dearborn. 1927 öffnete eine der größten Fabriken der Welt ihre Hallen. Von Glas über Stahl und Fertigungsbändern war in den Werkhallen alles komplett enthalten. Der Traum von der perfekten Produktion wurde mit „Rouge Plant“ verwirklicht.

Doch der Absatz des im Design unveränderten Typs T stagnierte. Der Patriarch entwickelte Kundenanreize, wie einen Kreditplan, zum Kauf. Edsel setzte sich vehement für einen neuen Typ ein. Nur schwer konnte sich der Sohn durchsetzen. Endlich ging 1927 Typ A an den Start und wurde begeistert von den Käufern aufgenommen.

Während des Zweiten Weltkriegs produzierten die Ford-Werke die meisten Bomber der Alliierten. Um die B-24 Liberator in ausreichender Menge herzustellen, wurde der Willow Run entwickelt. Sechshundert Flugzeuge konnten pro Monat gebaut werden. Dazu waren 24-Stunden-Schichten notwendig.

Tod des Sohnes, letzte Jahre und Vermächtnis

Der Tod Edsels im Mai 1943 zwang den Unternehmer trotz seines hohen Alters noch einmal zum vollen Einstieg in seine Firma. Edsel war das einzige Kind. Einen Nachfolger fand er schließlich in seinem ältesten Enkel, der 1945 mit achtundzwanzig Jahren die Geschäfte übernahm.

Am 7. April 1947 starb der dreiundachtzigjährige Patriarch auf seinem Anwesen in Dearborn und wurde auf dem Ford-Friedhof in Detroit bestattet. Der Unternehmer hat Wirtschaftsgeschichte geschrieben.

Der Konstrukteur und Unternehmer in Personalunion war ein Selfmademan aus einfachen Verhältnissen, der wirtschaftliches und technisches Know-how zusammenbrachte. Sein Name steht für Rationalisierung, effizientes Wirtschaften und das Wissen darum, dass eine hohe Kaufkraft der Konsumenten nur durch hohe Löhne zu erzielen ist. Erzkapitalisten schätzten ihn für seinen wirtschaftlichen Erfolg. Gewerkschafter bewunderten ihn für seine Arbeitsbedingungen. Der Unternehmer zahlte zeitweise die höchsten Löhne der gesamten Branche, senkte die Arbeitszeit von 48 auf 40 Stunden in der Woche bei vollem Lohnausgleich und schaffte die Wochenendarbeit ab. Selbst Kommunisten wie Stalin waren fasziniert.

Ford war wesentlich am Aufbau der Wirtschaftsmacht der USA in der ersten Hälfte des Zwanzigsten Jahrhunderts beteiligt. Er überblickte die Zusammenhänge und warnte beizeiten vor reinem Profitstreben auf Kosten der Arbeitnehmer und der Qualität der Produkte. Er plädierte für Verbesserungen der Produktionsbedingungen und Produkte durch Einfachheit. Wer heute an Synergieeffekten, Optimierung und Vereinfachung arbeitet, kann sich an Ford orientieren.

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